Rede anlässlich der Kundgebung 21.05.

Sehr geehrte Stadtverordnete, liebe Kolleg*innen, liebe Unterstützer*innen, liebeZuhörer*innen,


wir stehen heute hier, weil es um weit mehr geht als um Zahlen in einem Haushalt.
Es geht um Kinder.
Es geht um Jugendliche.
Es geht um Teilhabe, Schutz, Bildung und Zukunftschancen.

Die freien Träger der Jugendhilfe haben gemeinsam mit dem Stadtschulamt über Monate hinweg konstruktiv gearbeitet. In der Arbeitsgruppe „Finanzierung“ wurde ein tragfähiges Modell entwickelt, das den tatsächlichen Bedarfen der Schulen, der Kinder und der Jugendlichen gerecht werden sollte.

Dieses Modell war keine Maximalforderung.
Es war ein realistischer, fachlich begründeter und gemeinsam abgestimmter Vorschlag.

Doch mit dem Haushalt 2026 wurde genau diese notwendige Anpassung nicht umgesetzt.

Die Folgen davon spüren nicht zuerst die Träger.
Die Folgen spüren die Kinder und Jugendlichen.

Denn wenn Förderpauschalen nicht steigen, obwohl Tarife, Lebenshaltungskosten und Anforderungen steigen, dann bedeutet das in der Realität:

Weniger Personal.
Mehr unbesetzte Stellen.
Reduzierte Stunden.
Weniger Angebote.
Weniger Unterstützung.

Wir erleben steigende psychische Belastungen.
Wir erleben zunehmende soziale Spaltung.
Wir erleben Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit und rechtspopulistische Entwicklungen.

Gerade jetzt braucht es starke Jugendhilfe an Schulen.
Gerade jetzt braucht es Fachkräfte, die Schüler*innen begleiten, Konflikte auffangen, Familien unterstützen und Räume schaffen, in denen junge Menschen demokratische Teilhabe erleben können.

Doch stattdessen werden bestehende Angebote ausgehöhlt.

An Förderschulen stehen für sechs Schulen insgesamt gerade einmal 4,25 Stellen zur Verfügung.

4,25 Stellen – für hunderte Kinder und Jugendliche mit besonders hohem Unterstützungsbedarf.

Das bedeutet häufig:
eine einzige Teilzeitkraft pro Schule.

Wie soll unter solchen Bedingungen verlässliche Beziehungsarbeit entstehen?
Wie soll Kinderschutz nachhaltig umgesetzt werden?
Wie soll Inklusion gelebt werden?

Inklusion bedeutet nicht symbolische Präsenz.
Inklusion bedeutet echte Begegnung, echte Teilhabe und echte Unterstützung.

Doch genau das wird mit dieser Haushaltsentscheidung verhindert.

Auch an Grundschulen zeigt sich seit Jahren: Eine halbe Stelle reicht nicht aus.
Die Kolleg*innen arbeiten allein, oft ohne Vertretung im Krankheitsfall, unter hoher Belastung und mit enormer Verantwortung.

Und trotzdem leisten sie jeden Tag unverzichtbare Arbeit.

Sie sind Vertrauenspersonen.
Sie vermitteln in Krisen.
Sie stärken Kinder, die sonst durchs Raster fallen würden.

Wenn diese Strukturen weiter geschwächt werden, dann spart die Stadt heute an der falschen Stelle – und zahlt morgen einen viel höheren Preis.

Und noch etwas muss deutlich gesagt werden:

Es kann nicht sein, dass für Spiel-, Lern- und Bastelmaterialien teilweise nur noch geringe dreistellige Beträge für ein ganzes Jahr zur Verfügung stehen.

Wir fordern deshalb:

  • Eine Anpassung der Förderpauschalen an die tatsächlichen Kosten.
  • Eine ausreichende personelle Ausstattung der Programme.
  • Verlässliche Finanzierung statt dauerhafter Unsicherheit.

Denn jedes Kind hat ein Recht auf Unterstützung.
Jedes Kind hat ein Recht auf Teilhabe.
Und jedes Kind hat ein Recht darauf, nicht aus Kostengründen zurückgelassen zu werden.

Liebe Stadtverordnete,

Sie entscheiden nicht nur über Haushaltszahlen.
Sie entscheiden darüber, welche Chancen Kinder und Jugendliche in dieser Stadt haben.

Wir fordern Sie auf:

(Der Gallusdonner liefert wie immer starken Support ab und wird dabei von unserem Kinderhaus tatkräftig unterstützt.)

Alt-Text: Kinder und Jugendliche auf dem Frankfurter Römerberg mit Trommeln.

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