Pressekonferenz im ASP Wildgarten

Am 3. März 2026 machen die freien Träger der Jugendhilfe auf die Gefahr von Schließungen und Stellenabbau in der Kinder- und Jugendhilfe aufmerksam.

Der ASP Wildgarten ist eine feste Institution in der Sachsenhäuser Heimatsiedlung. Er ist nicht nur Abenteuerspielplatz und offene Kinder- und Jugendeinrichtung, er ist eine Begegnungsstätte von vielen Menschen im Stadtteil. Wer noch nie da war, dem sei gesagt sein: Ein Besuch lohnt sich. Die kleine Oase inmitten der Siedlung mit seinen alten Bäumen, der offenen Feuerstelle und vielen Gelegenheiten zum Bauen, Toben und Kind sein, sind etwas ganz Besonderes. Unser Kollege Tobias Lindenmann und sein Team begleiten das Angebot leidenschaftlich und mit viel Herz.

An diesem Ort hat am 3. März, zwei Tage von der Stadtverordnetenversammlung, eine Pressekonferenz der freien Träger der Jugendhilfe stattgefunden. Warum die Bewegung sich dazu ausgerechnet den Wildgarten ausgesucht hat, hat leider nichts mit seiner Schönheit zu tun: Die Einrichtung kämpft, wie viele andere Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit ums Überleben, weil die Stadt Frankfurt nicht die ausreichenden finanziellen Mittel bereitstellt, um dieses unerlässliche Angebot professionell und bedarfsgerecht auszuführen.

Auf dem Podium stehen neben Tobias Lindenmann als Gastgeber, Pantoula Vagelakou (Kinder- und Jugendförderausschuss), Judith Barthel (Frankfurter Jugendring), Nataša Artemis (Junularo e.V.) und Ute Pfister und Johannes Löscher (AG §78).

Gemeinsam stellen sie fünf zentrale Forderungen an die Frankfurter Stadtregierung:

Dauerhafe, auskömmliche und dynamisierte Finanzierung

Die Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt braucht eine dauerhaft auskömmliche und dynamisierte Finanzierung.
Tarifsteigerungen, Inflation und wachsende Bedarfe dürfen nicht länger zu strukturellen Defiziten führen. Ob im ehrenamtlich organisierten Jugendverband, im Kinder- oder Jugendhaus oder in der Schule: Es braucht gute Rahmenbedingungen für Fachkräfte. Seit Jahren arbeiten Einrichtungen am Limit. Pädagogische Fachkräfte stemmen steigende Anforderungen, während finanzielle und personelle Rahmenbedingungen nicht den komplexer werdenden Aufgabenfeldern angepasst werden. Es braucht eine aktive, an die aktuellen Herausforderungen und immensen Bedarfe angepasste, Kinder- und Jugendhilfeplanung mit nachvollziehbaren Kriterien.

Investitionen in junge Menschen sind keine freiwillige Leistung – sondern Zukunftssicherung

Junge Menschen sind durch die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie, wachsende Kinder- und Jugendarmut sowie globale Krisen wie Klimawandel und Kriege massiv belastet. Gleichzeitig steigen komplexe Beratungs- Begleitungs- und Therapiebedarfe deutlich an, während Wartezeiten auf psychologische Unterstützung monatelang dauern. Die Folge: Das Beratungsaufkommen in der Jugendhilfe an Schulen und in Einrichtungen nimmt stark zu – ohne dass die personellen Ressourcen entsprechend wachsen. Eine gut aufgestellte Jugendarbeit ist die beste Prävention. Investitionen in junge Menschen sind deshalb keine freiwillige Leistung, sondern eine notwendige Zukunftssicherung. Wer hier spart, verschiebt soziale Kosten in die Zukunft.

Teilhabe darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen


Kinder- und Jugendarbeit muss für alle jungen Menschen zugänglich bleiben. Fehlende Sachmittel führen
bereits jetzt dazu, dass besondere Ferien- und Kulturangebote, und somit schlussendlich auch erlebnispädagogische Angebote, wie Kanufahrten, Kletterprojekte oder Besuche von Museen nicht mehr
stattfinden können. Durch die wenigen Angebote wird der Erlebnisraum von jungen Menschen eingeschränkt
– und damit auch ihr Recht auf Teilhabe und Bildung. Niedrigschwellige Angebote müssen im Kern kostenfrei bleiben und öffentlich getragen werden, damit sie für alle zugänglich sind.

Demokratiebildung, Beteiligung und Geschlechtergerechtigkeit

Offene Kinder- und Jugendarbeit, Jugendverbände, Mädchen*arbeit und Jugendhilfe an der Schule schaffen geschützte Räume für Selbstbestimmung, Empowerment und demokratische Aushandlungsprozesse. Demokratie entsteht im Alltag, in Beteiligungsverfahren, bei Verantwortungsübernahme und in Selbstorganisation. Diese Prozesse sind oft zeit- und personalintensiv, wenn sie eine positive Erfahrung für junge Menschen sein soll. Gerade safer spaces für geschlechtsspezifische Arbeit sind enorm wichtig. Gerade Mädchen* stehen unter erheblichem Druck durch Leistungsanforderungen, Schönheitsnormen, soziale Medien und strukturelle Benachteiligungen. Geschlechtergerechte Jugendarbeit ist deshalb kein Zusatzangebot, sondern ein Qualitätsmerkmal professioneller Arbeit. Wer Resilienz stärken will, muss diese Infrastruktur sichern.

Trägervielfalt in Frankfurt als Stärke


Viele Einrichtungen sind tief im Quartier verwurzelt, oft von Anwohner*innen mitgegründet und eng mit Schulen, Kitas und mit dem Sozialraum verwoben. Sie vertreten verschiedene Schwerpunkte und Werte, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Gerade für kleine Einrichtungen oder kleine selbstorganisierte Vereine ist es schwer, nennenswerte Eigenmittel zu generieren. Gleichzeitig tragen sie die volle Verantwortung für Verwaltung, Personal und Infrastruktur. Der anhaltende Finanzierungsdruck führt dazu, dass Stellen abgebaut, Öffnungszeiten reduziert und Angebote eingeschränkt werden. Bei einzelnen Einrichtungen und Angeboten steht die Existenz auf dem Spiel. Die Folge davon wäre eine Reduzierung der Angebotsvielfalt.

(Pressemeldung 24.02.2026)

(Nataša Artemis, Einrichtungsleitung Jugendhilfe an der KGS Niederrad)

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