Frauen*streik am 9. März

Ein Wortbeitrag von Sinah Klockemann auf dem Römerberg

„Mein Name ist Sinah Klockemann. Ich bin Einrichtungsleitung im kosi – Stadt für Mädchen und FLINTA*, einem kleinen Safer Space hier in der Innenstadt.  

Ich bin heute hier gemeinsam mit meinen Kolleg*innen vom Verein Junularo Frankfurt e.V.

Zu unserem Träger gehören Jugendclubs, Jugend- und Kinderhäuser, Jugendhilfe-in-Schule-Teams, Jugendberatung und explizit feministische Einrichtungen wie das kosi oder das Mafalda Kulturzentrum. Uns alle verbindet, dass wir heute hier stehen, weil wir den Frauen*streik unterstützen, den 8. März feiern und für eine feministische, antirassistische, queerfreundliche und intersektionale Arbeit stehen. Diese Werte prägen unsere Einrichtungen – und sie prägen auch unsere tägliche Arbeit mit Jugendlichen.

Gleichzeitig ist es für uns auch ein kleiner Widerspruch, dass wir heute hier sind – in unserem Arbeitskontext, mit unserer Zielgruppe – obwohl heute Streik ist. Darüber haben wir gesprochen und diskutiert. Und wir sind zu dem Schluss gekommen: Gerade deshalb ist es wichtig, heute hier zu sein. Denn ein Tag wie dieser, ein Streik wie dieser, lebt von Zusammenhalt und Solidarität. Und genau diese Erfahrungen möchten wir auch unserer Zielgruppe ermöglichen.

Wir verstehen diesen Tag als politische Partizipation und als Intervention. Und wir wollen Sichtbarkeit schaffen – für unsere Arbeit und für unsere Zielgruppen.

In unseren Einrichtungen sind wir jeden Tag mit den Themen konfrontiert, von denen wir heute schon so viel gehört haben. Soziale Arbeit ist Care-Arbeit. Wir leisten Fürsorge, wir leisten Unterstützung, wir setzen uns für die Belange von Mädchen und jungen FLINTA* ein, die jeden Tag mit den Widrigkeiten, der Gewalt des Patriarchats konfrontiert sind: in Schulen, auf der Straße, auf TikTok, Instagram und Snapchat und in ihren eigenen Familien.

Und wir leisten diese Arbeit, obwohl wir selbst jeden Tag damit konfrontiert sind, als FLINTA* in dieser Welt zu leben – und als Sozialarbeiter*innen in einem System zu arbeiten, das unsere Arbeit oft weder ausreichend anerkennt noch strukturell und finanziell so absichert, wie es notwendig wäre.

Was unsere Arbeit leichter macht, sind die jungen Menschen selbst.  

Sie geben uns jeden Tag Hoffnung. Nicht, weil die Welt schon so ist, wie sie sein sollte. Nicht, weil ihre Geschichten uns nicht manchmal auch verzweifeln lassen würden. Sondern weil wir in unseren Einrichtungen immer wieder junge Menschen treffen, die solidarisch denken. Die feministische Perspektiven entwickeln. Die für Gleichstellung und Gerechtigkeit kämpfen wollen.

Junge Menschen, die intersektional denken können. Die Widersprüche aushalten. Und die gemeinsam für eine bessere Welt einstehen möchten. Unsere Aufgabe als Sozialarbeiter*innen ist es, ihnen dafür Räume zu schaffen.  

Wir müssen Bühnen bauen.  

Wir müssen Möglichkeiten eröffnen. Wir müssen Orte schaffen, an denen sie sich ausdrücken, organisieren und gehört werden können. Dafür brauchen wir Ressourcen. Dafür brauchen wir Anerkennung für diese Arbeit. Und dafür brauchen wir Strukturen – finanzielle, politische und ganz konkrete physische Räume. Denn die jungen Menschen sind da.  

Sie haben Ideen.  

Sie haben Energie.  

Sie haben Lust, sich einzubringen.

Sie wollen Räume.  

Sie wollen Bühnen.  

Sie wollen Möglichkeiten.

Und wir brauchen die Bedingungen, um ihnen genau das geben zu können.

Deshalb stehe ich heute hier.  Deshalb kämpfen wir – gemeinsam mit unseren Kolleg*innen und gemeinsam mit euch allen. Denn Veränderung entsteht nicht allein. Sie entsteht durch Solidarität. Durch Bündnisse. Durch Verbündet-Sein. Durch Einmischung.  Und durch Sichtbarkeit für Themen und Positionen, die immer wieder unsichtbar gemacht werden sollen. Oder um es mit dem Streik-Slogan zu sagen:

Wenn wir streiken, steht die Welt still.

Aber wir sind heute sichtbar, ob still oder laut. Und jetzt macht mal Lärm für alle die heute organisiert und Bühnen gebaut haben und für alle die heute nicht hier sein können. Aber jetzt macht mal Lärm für alle die heute trotzdem organisiert und Bühnen gebaut haben. Danke an das Töchterkollektiv!“

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